Club ELSA Zuchtprogramm

Wir sind Mitglied im Club ELSA, der ein Zuchtprogramm mit ridgelosen Ridgebacks ins Leben gerufen hat.

Hier einige Hintergründe dieses Zuchtprogramms:

Die Diskussion ist nicht neu, doch inzwischen gibt es glücklicher Weise immer mehr Züchter, die sich eingehend mit diesem Thema beschäftigen und denen die Gesundheit unserer Rasse am Herzen liegt.

Als 1922 der Standard des Rhodesian Ridgeback festgelegt wurde, war der Ridge von Anfang an ein wichtiger Bestandteil, da er auch namensgebend war. Man sagte den Hunden mit dem Rückenkamm einen besonders ausgeprägten Jagdinstinkt nach. Deshalb begann man die ridgetragenden Hunde miteinander zu verpaaren, umso diese Mutation (etwas anderes ist der Ridge nämlich nicht) zu festigen. Mit dem Ridge gab es, ebenso von Anfang an, eine weitere Mutation - den Dermoid Sinus - auch das ist dokumentiert. Der Ridge selbst ist ein rein kosmetisches Merkmal, der Dermoid Sinus aber keineswegs. Dass die ridgetragenden Hunde tatsächlich einen ausgeprägteren Jagdtrieb haben wage ich zu bezweifeln, denn ich kenne eine Vielzahl ridgeloser Ridgebacks, die ihren Artgenossen mit Ridge in nichts nachstehen. Das aber ist nicht unser Problem. Unser Problem ist die Mutation, die mit dem Ridge gekommen ist – der Dermoid Sinus.

Der Erbgang des Dermoid Sinus ist leider noch nicht erforscht. Wenn wir bei der Vererbung des Ridges als Modell von einem einfachen Erbgang mit einem dominanten Gen R und einem rezessiven Gen r ausgehen, unterstellen wir drei genetische Grundtypen: RR mit Ridge und zwei dafür dominanten Genen, Rr mit Ridge und einem dominanten Gen und rr ohne Ridge. Je nach Verpaarung erhalten wir demzufolge ein anderes Ergebnis:
RR x RR : alle Nachkommen RR und mit Ridge
RR x Rr : 50 % RR 50% Rr - alle mit Ridge
RR x rr : 100 % Rr - alle mit Ridge
Rr x Rr : 25% RR 50 % Rr (75 % mit Ridge) 25 % rr ohne Ridge (statistischer Mittelwert )
Rr x rr : 50% Rr mit Ridge und 50% rr ohne Ridge
rr x rr : alle Nachkommen rr und ohne Ridge

Alle Legenden über die Verpaarung zweier ridgeloser Hunde, die ridgetragende Nachkommen erbrachten, sind bisher noch nie bewiesen worden. Ein Wurf (den ich selbst überprüfen konnte) aus zwei ridgelosen Elterntieren brachte erwartungsgemäß nur ridgelose Welpen hervor.

Wenn wir also ridgelose Ridgebacks züchten wollten, dann könnten wir das sofort tun. Das ist aber nicht das was wir wollen! Wir wollen Ridgebacks mit Ridge züchten aber das Risiko für den Dermoid Sinus so gering wie möglich halten, das ist der Hintergrund.
Vom momentanen Wissenstand aus muss man unterstellen, dass der DS nur bei ridgetragenden Hunden mit der Genvariante RR, also bei zwei dominanten „Ridgegenen“ vorkommt, keinesfalls jedoch bei den ridgelosen mit der rr Genvariante.
Immer wieder kursieren Gerüchte, dass es auch ridgelose Ridgebacks mit Dermoid Sinus gibt.

Soweit uns bekannt ist gibt es jedoch weltweit keinen einzigen operativ entfernten Dermoid Sinus eines ridgelosen Ridgebacks, der eindeutig als solcher identifiziert und mittels DNA-Analyse dem betreffenden Hund zweifelsfrei zugeordnete werden konnte.
Bei so manchem führt das Auftreten ridgeloser Welpen zusammen mit ridgetragenden Welpen mit DS in einem Wurf zur Verwirrung. Dies kann bei der Verpaarung Rr x Rr aber laut obigem Modell sofort schlüssig erklärt werden.

Nur zwei Kombinationen dürfen demnach NIE zum Auftreten von Welpen mit DS führen:
rr x rr : alle Welpen rr demnach ridgelos und ohne Dermoid Sinus
rr x Rr : 50 % rr - ridgelos und ohne Dermoid Sinus 50 % Rr mit Ridge und ohne Dermoid Sinus
rr x RR : alle Rr 100 % mit Ridge und 100 % ohne Dermoid Sinus. Genau diese Verpaarung wurde in Club ELSA unter strenger Kontrolle vom VDH genehmigt durchgeführt und erbrachte exakt dieses Ergebnis: neun ridgetragende Welpen ohne DS.

Bei den zahlreichen gesundheitlichen Problemen, die neben dem Auftreten des DS mittlerweile bei unserer Rasse vorkommen, ist der generelle Zuchtausschluss ridgeloser Hunde züchterischer „Irrsinn“, von dem nach wie vor praktizierten Töten solcher Welpen ganz zu schweigen!

Hinzu kommt, dass der Rhodesian Ridgeback wegen des Dermoid Sinus bei uns in Deutschland im Qualzuchtgutachten aufgeführt wird. Vor allem auch auf diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, sich mit diesem Thema intensiv zu beschäftigen.
Den Gentest für den Ridge selbst gibt es seit einiger Zeit, aber dieser Test scheint noch nicht ausgereift zu sein. So sind bereits Würfe gefallen, bei dem beide Elterntiere vorher getestet wurden. Laut Testergebnis sind beide dominant für das Merkmal Ridge, und trotzdem gab es im Wurf dann ridgelose Welpen.

Ist es tatsächlich so wichtig ob ein Ridgeback homozygot, also reinerbig, für die Mutation Ridge ist?
Reduzieren wir so nicht unsere Hunde auf ein einziges Merkmal und wohin führt das?

Ist es wirklich so dramatisch wenn es in einem Wurf ridgelose Welpen gibt? Ist es nicht nur wichtig für das Ego der Züchter und Deckrüdenbesitzer? Nehmen wir tatsächlich lieber in Kauf Welpen mit DS zu züchten, die dann zwar optisch perfekt sind, jedoch operiert werden müssen um die Chance zu bekommen ein langes, gesundes Leben zu führen?
Ein ridgeloser Welpe kann das ohne Operation, vorausgesetzt er wird nicht gleich nach der Geburt getötet, was leider auch heute noch in vielen Ländern der Fall ist. Gleiches gilt übrigens auch für die Welpen mit Dermoid Sinus. Auch sie werden oft gleich nach der Geburt eingeschläfert, wenn man den DS frühzeitig genug feststellt.

Welche Intension haben wir nun mit ridgelosen Ridgebacks zu züchten?
Nicht wenige Züchter denken dass es Unsinn ist, denn wir haben ja genügend Ridgebacks mit Ridge für die Zucht. Das ist aber nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass wir leider auch genügend Ridgebacks mit Ridge und DS haben!
Hinter der Versuchszucht ridgelose mit ridgetragenden Hunden zu verpaaren liegt die Theorie, dass aus diesen Verpaarungen niemals Welpen mit Ridge und DS fallen dürften. Das haben wir nun eingehend erläutert. Auch in der nächsten Generation (bei der Verpaarung von zwei ridgetragenden Hunden) müsste das Risiko sehr viel geringer sein, eventuell sollte sogar auch in dieser Generation kein DS vorkommen wenn wir davon ausgehen, dass die Vererbung des DS sehr viel komplexer ist als einfaches „nur Mendel“ und mehrere Gene involviert sind.

Sicherlich - es ist es nur eine Theorie, aber der Versuch diese Theorie zu beweisen tut niemandem weh, am allerwenigsten den Hunden! Warum echauffieren sich die Leute darüber, dass wir versuchen gesunde Hunde zu züchten, die nicht operiert werden müssen? Das ist für mich leider absolut nicht nachvollziehbar.

Ist es denn wirklich besser, wenn ridgelose Welpen getötet werden anstatt ihren „Wert“ zu erhöhen, indem man diese Tiere auch in einem Zuchtprogramm integriert? Denn es sind gesunde Hunde, denen lediglich eine Mutation fehlt, nämlich der Ridge - eine Mutation, der wir den Gendefekt Dermoid Sinus verdanken!

Ist es besser Welpen mit Dermoid Sinus zu töten anstatt zu versuchen, Ridgebacks mit DS gar nicht mehr zu züchten?

Diese Fragen müssen sich die Gegner dieser Zuchtversuche selbst stellen. Standardfetischismus vor Gesundheit? Das kann und darf nicht sein und der Ridgeback wäre nicht die erste Rasse, die so kaputt gezüchtet wurde!

Wir sind Züchter und haben unserer Rasse gegenüber eine große Verantwortung. Es muss unser Ziel und unsere Pflicht sein gesunde Hunde zu züchten! Und wir, die Züchter, die sich mit diesem Thema aktiv auseinandersetzen und gegen den Strom schwimmen, sind der Meinung, dass wir mit diesen Zuchtversuchen diesem Ziel ein Stückchen näher kommen!

Heike Rusnak

(Text mit freundlicher Genehmigung von Monika Pehr)